Am 14. März 2025 hatten wir weitgereisten Besuch im Filmclub Ludwigsburg: Angela und Frank Melchert berichteten von ihrer Reise durch Süd-Amerika. 25 Leute waren ins Clubheim gekommen – LFCler, Bekannte der beiden Filmautoren, Mitglieder vom benachbarten Fotoclub, Interessierte.
Film- und Fotoausrüstung
Sie alle lauschten aufmerksam Franks Erläuterungen zu seiner Film- und Fotoausrüstung, die er bei der Reise dabei hatte. Als Hauptkamera nutze er die Sony A7 IV (Vollformat) mit den Objektiven 28-200 Zoom, einem 200-600 Tele- und einem 16-35 Weitwinkelobjektiv. Für die spontane Berichterstattung nutzte er eine DJI Pocket 3 mit externem Mikrofon, eine GoPro Hero 11 und eine Sony Action Cam.
Von Feuerland bis Guyana
Frank erzählt: „Insgesamt waren wir zwei Jahre mit unserem Expeditionsfahrzeug in Südamerika unterwegs. In dieser Zeit bereisten wir den Kontinent von Feuerland bis Guyana. Zwei kurze Pausen in Deutschland haben wir zwischendurch eingelegt, bevor wir unsere Reise fortsetzten. Anfang Februar 2026 sind wir schließlich endgültig nach Hause zurückgekehrt – mit unzähligen Eindrücken und Erinnerungen im Gepäck.“ Aber sie hatten nicht nur Eindrücke und Erinnerungen mitgebracht, sondern natürlich auch eine Menge Film-Material, wie es sich für Filmautoren gehört.
4 TB Material waren zusammengekommen! Zur Datensicherung nutzte Frank ausschließlich externe Festplatten. Eine Speicherung in der Cloud ging nicht aufgrund fehlender Netzwerk-Verbindung während der Reise. Trotz der hohen Luftfeuchtigkeit und der Hitze hatten die beiden keine Ausfälle bei der Hardware.
Trailer
Als Auftakt präsentierten sie einen Trailer – einen Appetizer auf ihre Reise, die mehr war als nur zurückgelegte Kilometer: es war die Erfüllung eines jahrelang gehegten Traums. In dichten, kraftvollen Bildern entfaltete sich die Wegstrecke vor den Augen des Publikums. Ergänzend folgten kurze, eindringliche Szenen aus der Tierwelt und den weiten Landschaften Südamerikas. Die Bilder erzählten schon jetzt eine Geschichte, eine Andeutung auf das Kommende – und wirkten auf das Publikum – die Spannung im Clubsaal war greifbar.
Die Hippie-Kolonie in Uruguay
Die beiden Weltreisenden fühlen sich zurückversetzt in die 1960er-Jahre: sie begegnen Aussteigern, Hippies; ein weitgehend autarkes Leben prägt den Ort. Sie befinden sich in Cabo Polonio, Uruguay.
Cabo Polonio liegt mitten in einem Nationalpark am Atlantik. Der abgelegene Küstenort ist nur mit einem allradgetriebenen Zubringerbus erreichbar – eine durchaus abenteuerliche Anreise, private Fahrzeuge sind nicht erlaubt. Rund 100 Menschen leben hier in einfachen Steinhäusern, für Gäste stehen schlichte Hütten und Hängematten zur Verfügung.
Frank hält Eindrücke und Stimmen der Bewohner fest: „Das Leben hier ist unabhängig. Wir sind unter uns und können so leben, wie wir es wollen.“ Ein anderer ergänzt: „Wir brauchen keinen Luxus. Alles, was wir brauchen, entsteht hier – durch Hühner, Fischfang und Gemüseanbau. Das ist unser Paradies.“ „Viele Touristen beneiden uns um dieses Leben.“ Und tatsächlich, auch die Besucher bleiben nicht unbeeindruckt.
Was diesen Ort besonders macht? Ein anderer Alltag, geprägt von Einfachheit, Gemeinschaft und dem bewussten Verzicht auf Überfluss – vorgeführt von Menschen, die ihren eigenen Weg gewählt haben. Es ist ein radikal anderes Lebensmodell: reduziert, unabhängig, eigene Regeln. Für die einen ein Paradies – für andere nicht vorstellbar.
„Tango ist Leben“
Der nächste Film war ein Streifzug durch die Milongas von Buenos Aires: Menschen verschiedenster Generationen kommen hier zusammen, um Tango zu tanzen – einen Tanz, der längst die ganze Welt erobert hat.
Die Musik ist eindringlich, die Bewegungen der Tänzer sind präzise und voller Ausdruck. Schritt für Schritt entfaltet sich eine eigene Sprache – leise, intensiv, unmittelbar.
Doch was macht die Magie des Tangos aus? Wer sind die Menschen, die sich ihm hingeben? Die eingefangenen Zitate geben Antworten: „Tango ist Leben!“, „Man drückt mit diesem Tanz etwas aus!“, „Tango ist die Seele von Buenos Aires!“, „Wir sind Tango!“, „Für mich ist Tango nicht nur ein Tanz, sondern ein Gefühl!“, „Er hat mir das Leben gerettet!“, „Tango ist eine Umarmung – voller Liebe und Traurigkeit!“
Es ist ein Tanz mit Nähe, zwischen Melancholie und Leidenschaft – und vielleicht genau deshalb so zeitlos.
Im Pantanal
Das Pantanal in Brasilien ist das größte Sumpfgebiet der Erde. In der Trockenzeit, von Juni bis November, wird die Region zugänglich. Dann bieten sich einzigartige Möglichkeiten, Tiere wie Jaguare, Tapire und Wasserschweine zu beobachten – und vor allem, nicht im Schlamm stecken zu bleiben.
Mitten in dieser Szenerie taucht Herbert auf. Er organisiert die Pontonüberfahrten, mit denen das Expeditionsmobil über die Wasserarme des Pantanals gebracht werden soll. Zwei lange Holzbretter werden aus dem Wasser gezogen, sie sollen genügen, um die Höhendifferenz zwischen Ufer und Ponton zu überwinden. Zentimeter für Zentimeter dirigiert er das Fahrzeug über die Bretter auf die Plattform. Frank ist am Steuer. Die Situation ist zum Zerreißen gespannt; die Zuschauer im beschaulichen Clubheim des LFC halten den Atem an. Ein falscher Winkel, ein Moment der Unsicherheit – und das Fahrzeug kippt herunter.
Angela steht hinter der Kamera und kommentiert etwas nervös die Fahrkünste ihres Mannes: „Da müssen wir rauf! Ohgott – ohgott“. Als das schwere Fahrzeug endlich mit allen vier Rädern auf dem Ponton steht stellt sie erleichtert fest „Wir haben halt einen superguten Fahrer!“ Ein Satz – ein Scherz – Bewunderung – vielleicht das schönste Lob, das man als Ehemann bekommen kann.
Auf dem Ponton geht die Reise weiter, über den Fluss. Auch unterwegs zeigt sich Herbert von seiner handwerklichen Seite, jedes Missgeschick, jeden überhitzten Schiffsmotors kann er beheben, manchmal nur provisorisch, aber es hält, zumindest bis zum vorläufigen Ziel – Porto Jofre.
Über mehr als 150 Brücken führt der weitere Weg durch das sumpfige Gelände – viele davon marode, nicht eben vertrauenerweckend für ein so schweres Gefährt. Lücken in den Brücken werden mit gefundenen Latten ausgebessert oder mit den mitgeführten Stahlblechen provisorisch verstärkt, manche Brücken müssen gänzlich umfahren werden. Und immer wieder tauchen unerwartete Hindernisse auf, etwa Kaimane, die träge in der Sonne liegen, den Weg blockieren und sich viel Zeit lassen, um die Straß0e freizumachen.
Frank und Angela haben versprochen, die filmische Fortsetzung der Reise im LFC noch zu zeigen – sie haben es versprochen.
Waltraut Kruse, 18. April 2026