Kunst und Kultur haben auch in Zeiten knapper Kassen ihren festen Platz. Das zeigte die Kulturehrung der Stadt Ludwigsburg am 10. Juli 2026 eindrucksvoll. Zwar musste die Veranstaltung wegen der Sanierung des Forums in den Sitzungssaal des Rathauses umziehen und fiel damit deutlich kleiner aus als in den vergangenen Jahren, doch die Botschaft war unmissverständlich: Trotz der angespannten Haushaltslage hielt der Gemeinderat an der Tradition fest, Menschen und Gruppen zu ehren, die das kulturelle Leben der Stadt mit ihrem Engagement und ihren Leistungen bereichern.
Musikalisch eröffnet wurde der Abend vom Fagott-Trio der Jugendmusikschule Ludwigsburg mit einem schwungvoll arrangierten Tango. Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht begrüßte die Gäste und beschrieb die Stimmung der Veranstaltung mit den Worten, man blicke „mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ auf den Abend – einerseits wegen der angespannten Haushaltslage und der eingeschränkten Möglichkeiten, andererseits aus Freude darüber, dass die Kulturehrung weiterhin stattfinden kann.
Im Mittelpunkt standen zahlreiche Auszeichnungen für musikalische Leistungen. Geehrt wurden unter anderem erfolgreiche Teilnehmer des Wettbewerbs „Jugend musiziert 2026“, die Preisträgerin des „Jugendkunstpreises Baden-Württemberg 2025“, die Harmonika-Gemeinschaft Ludwigsburg sowie Mitglieder des Stadtverbands Musik. Darüber hinaus wurde auch ehrenamtliches und zivilgesellschaftliches Engagement ausgezeichnet.
Etwas exotisch wirkten zwischen den zahlreichen Ehrungen für Musikschaffende die Auszeichnungen für drei Autoren des Ludwigsburger Filmclubs und gerade deshalb zogen sie besondere Aufmerksamkeit auf sich. Der Ludwigsburger Filmclub wurde für seine Verdienste im kulturellen Bereich sowie für seine Erfolge bei verschiedenen Filmwettbewerben im Jahr 2025 ausgezeichnet.
Die kurzen Laudationes hielt Raphael Dahler, Leiter Fachbereich Gesellschaftliche Teilhabe, Soziales und Sport. Mit viel Charme und einer guten Portion Humor stellte er die ausgezeichneten Filme vor.
Gewürdigt wurde Klaus Menzer für seinen Naturfilm Kranichrast, der den Kranichzug im Nationalpark Vorpommersche Boddenlandschaft dokumentiert. Rund zwei Jahre arbeitete er an diesem Filmprojekt und hielt dabei eindrucksvolle Naturbeobachtungen fest.
Reza Shakory wurde für seinen Kurzfilm Schachmatt ausgezeichnet. Die geschickte Art und Weise, um an Geld zu kommen, nutzte Raphael Dahlerfür einen humorvollen Seitenhieb in Richtung Oberbürgermeister Dr. Matthias Knecht: Vielleicht biete der Film ja eine Inspiration für die angespannte Stadtkasse.
Mit dem Animationsfilm Autonomie regt Waltraut Kruse zum Nachdenken über das Verhältnis von Mensch und Technik an. Auch dieses Projekt entstand über einen Zeitraum von zwei Jahren. Dahler griff das Thema augenzwinkernd auf und bemerkte, seine eigenen Kinder beschäftigten sich ohnehin schon viel zu intensiv mit digitalen Medien – vielleicht könne der Film den einen oder anderen Denkanstoß geben.

Zwischen den vielen musikalischen Ehrungen setzte die Auszeichnung des Ludwigsburger Filmclubs somit einen besonderen Akzent. Sie erinnerte daran, dass auch der Amateurfilm zum vielfältigen kulturellen Leben der Stadt beiträgt.
Waltraut Kruse